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Coober Pedy, der "Erdbau des weissen Mannes"
Der alte betrunkene Ureinwohner kann es immer noch nicht fassen. Vor ihm graben weisse Männer aus allen Teilen des Planeten mitten in der Wüste im Bauch seiner Erde, um einige Karat Opal herauszuholen. Dieses Fieber nach Opalen ist dem Ureinwohner unverständlich, denn er darf nach altem Glauben nicht weiter als eine Lanzenlänge in ein Erdloch hinabsteigen, wenn er sich bei den Toten wiederfinden will. Im Jahre 1915 entdeckte zufällig ein junger Goldsucher, Willie Hutchinson, in einem Wüstengebiet Mittelaustraliens eine Opalader. Abenteurer aus aller Welt strömten herbei. Hier öffneten sich im folgenden bedeutende Fronten für Pioniere - Coober Pedy entstand.
In der Sprache der Ureinwohner wird Coober Pedy "Kupa piti" ausgesprochen und bedeutet "Erdbau des weissen Mannes". Dieser Name wurde dem Ort gegeben, an dem die ersten Schürfer arbeiteten und schliefen. Heute arbeiten um die tausend "diggers" (Schürfer) in Coober Pedy, dem kulturellen "melting-pot", an dem mehr schlecht als recht etwa 50 Nationalitäten zusammenleben.
Das Schürfen
Für das Opalschürfen gibt es viele Techniken. Am häufigsten arbeiten die
" diggers" in 20 bis 40m Tiefe mit Sprengstoff. Die am besten ausgerüsteten Schürfer fördern das Geröll mit Hilfe des "blowers" zutage, eines riesigen Sauggerätes, das auf einem grossen Lastwagen befestigt ist. Bei 30`000 Dollar pro Stück haben die "diggers" Intresse daran, eine gute Ader zu finden! Auf der Erdoberfläche wird das Geröll auf Förderbändern ("noodling machines") transportiert, Dunkelkammern, in denen der zerkleinerte Fels unter einer UV-Lampe entlangläuft. So wird jedes Stück Opal entdeckt. Manche Schürfer zögern nicht, mit Hilfe von Raupenfahrzeugen enorme Gräben über Tage zu graben. Eine weitere Technik nennt sich "noodling".
Sie besteht darin, die von den "diggers" übriggelassenen Gesteinsbrocken nach kleinen Stücken Opal zu durchsuchen. Das " noodling" wird vor allem von den Ureinwohnern angewant, die Angst haben, in die Stollen hinabzusteigen. Unabhängig davon, welche Schürftechnik Anwendung findet - alle "diggers" haben einen Gemeinsamen Traum: "The big run", die dicke Ader, die es ihrem Finder erlaubt, sich zur Ruhe zu setzen. Doch das kommt selten vor. Tagsüber wird gesprengt, nachts schläft man mit dem Gewehr in der Hand. In den Kneipen von Coober Pedy machen Neuigkeiten schnell die Runde.
Da muss der Eingang der "Ali Baba-Höhle" geschützt werden, denn die "nightshifters" lungern herum. Manche von ihnen sind in Banden organisiert, die nachts in die Mienen steigen, den Opal plündern und dann schnell wieder an die Oberfläche steigen. Dies ist der Moment, wo Rache geübt wird. In Coober Pedy mag man deshalb die Polizei nicht so sehr. Die Differenzen werden unter Männern bereinigt, mit Gewehrschüssen oder Dynamitstangen. In den siebziger Jahren entdeckte ein Kroate eine riesige Ader. Er holte 150`000 Dollar dabei heraus. Für diese Zeit eine hübsche Summe. Nachdem er einige Zeit in Spielhöllen, auf Rennplätzen und in zweifelhaften Häusern von Adelaide verbracht hatte, kam der Mann ohne einen Pfennig nach Hause. Andere "diggers" sind schlauer, wie der Deutsche, der einen Opal von 13 Kg gefunden hatte. Er verliess das Land, kaufte einen Hof, und niemand hörte je wieder etwas von ihm. Für die anderen, die bleiben und noch daran glauben, ist das Leben hart. Machine Gun Joe, eine Gestalt aus Coober Pedy, weiss ein Lied davon zu singen. Er trägt seinen Spitznamen, weil er in seinem Loch immer mit dem Gewehr im Arm schläft und auf alles schiesst, was sich bewegt. Eines Abends auf dem Heimweg von der Kneipe fühlte sich Joe deprimiert und beschloss, seinem Leben ein Ende zu bereiten. Er steckte sich eine Stange Dynamit in den Mund und zündete die Lunte an. Plözlich wurde ihm bewusst, was er tat; er bekam Angst und riss das Dynamit heraus. Dabei verlor er eine Hand.


Der Opal
Es gibt drei Sorten: Feueropal, Gemeiner Opal und Edelopal. Nur der letztere besitzt die Eigenschaft der Opaleszent, die ihm seinen Wert verleiht. 90% der Vorkommen an Edelopal liegen in Australien. Die übrigen sind in Mexiko, Brasilien, Honduras und Nevada (USA) zu finden. Opal enthält 1 bis 30% Wasser. Das Kristobalit und das Tridymit verleihen ihm seine in allen Regenbogenfarben schillernden Reflexe und seinen Glanz. Seit etwa 20 Jahren werden künstliche Opale hergestellt, aber sie sind mit dem natürlichen nicht vergleichbar. "Olympic Australias", der grösste Opal der Welt , wurde 1956 in Coober Pedy gefunden und hat 17000 Karat (5 Karat wiegen ein Gramm). Er ist in Melbourne zu sehen. Wert: eine Million Dollar.