Copyright Didgeritom 2009
Australische Mythen
Die Mythen wurzeln in der sogenannten Traumzeit. In dieser Traumzeit treten die Seelen der verstorbenen Ahnen aus der Erde hervor und sind wieder gegenwärtig. Der gesamte Glauben der Ureinwohner ist auf der Traumzeit aufgebaut. Sie glauben an ein Totenreich und an eine Seele, die auf Wanderschaft gehen kann. Eine Seele die sich vom Körper lösen kann und frei durch jegliche Sphären schreiten kann. Der Animismus ist unter diesen Stämmen stark vertreten. Sie sind sich sicher, dass jedes Geschöpf eine Seele besitzt. Natürlich hat jeder Ureinwohner auch ein Totemtier wie es sich jür einen echten Schamanen gehört. Dieses Tier wird als wesensverwandter Bruder des Menschen aufgefasst, das von der gleichen Lebenskraft beseelt ist. Jene Ureinwohner sind die »Autoren« vieler Märchen und Mythen die ihre Zeremonien ihren Lebensstil, ihren Glauben aber auch die geheimnisvolle Atmosphäre Australiens widerspiegeln.


Märchen und Mythen

Die Märchen und Mythen sind mündliche überliefert worden. Die Mythen erzählen meist von den geheimen Ritualen der Aborigines, sie handeln von der Traumzeit und den Verstorbenen. Sie werden bei der Initiation in einer Geheimsprache dem Novizen verkündigt. Der Novize ist ein Junge, der beschnitten wird und damit in das Erwachsenenleben eintritt. Er muss die Mythen, die ihm bei der Initiation erzählt werden, wie alle anderen für sich behalten.

Die Märchen dagegen sind Geschichten und Erzählungen, die allgemein zugänglich sind. Sowohl Männer und Frauen als auch Kinder können bei diesen Erzählungen am Lagerfeuer den älteren Männern des Stammes zuhören. Sie dienten zur Unterhaltung aber gleichzeitig auch zur Belehrung. Die Verbindung zwischen der Traumzeit und dem Stamm bleibt sowohl in den Märchen, wie auch in den Mythen immer spürbar.

Das Buch mit dem Titel "Märchen der australischen Ureinwohner" aus der Bücherreihe "Märchen der Welt" ist eine Sammlung vieler verschiedener Märchen der australischen Aborigines. Aber man kann bei diesen Märchen nicht immer klar entscheiden, ob es sich um ein Märchen oder schon um eine der Mythen handelt. Die Übergänge zwischen Mythen und Märchen sind fließend. aber in diesen Märchen/Mythen findet man auf jeden Fall den Schamanismus mit seinen Ritualen wieder.




Am Anfang formten unsere Urahnen das Land. Sie schufen Pflanzen und Tiere, Menschen und Naturgewalten.Wir nennen das die Traumzeit." Eine der Schöpferfiguren verewigt im Fels: Narnarrgon, der Herr der Blitze, spaltet mit Steinäxten die Wolken. Besonders wild wütet er während der Regenzeit im tropischen Norden Australiens. Hier entladen sich die spektakulärsten Gewitter der Welt, hier fährt Narnarrgon sein einzigartiges elektrisches Zaubertheater auf. Der Donnergott schickt gewaltige Regenfälle und verheerende Wirbelstürme. Er bringt aber auch Erneuerung und Fruchtbarkeit im Überfluß. Täler und Flüsse formt ein anderes Wesen aus der Traumzeit: Die Regenbogenschlange. Als sie ihr Werk vollendet hatte, legte sie sich nieder. Alle Schöpferwesen, so heißt es, schlafen in Felsen, Bäumen oder Wasserläufen.


Das erste Didgeridoo


Vor Urzeiten war es noch ganz dunkel und kalt auf der Erde, deshalb wollte das Schöpferwesen Birrbookoom ein Feuer entfachen und sammelte Holz. Dabei bemerkte Birrbookoom, dass einer der gesammelten Äste hohl war, weil eine hungrige Termitenfamilie das Innere ausgefressen hat. Weil Birrbookoom die Termiten nicht verletzen wollte, hielt er den hohlen Ast an seine Lippen und begann zu blasen. Die Termiten flogen in den Nachthimmel und erhellen seither als Sterne die dunkle Nacht. So ertönte zum ersten Mal der Urton des Didgeridoo, es segnete Mutter Erde und beschützt mit seinem ewigen Klang seither alle Wesen auf Erden.


Das erste Didgeridoo


Vor urlanger Zeit ging ein Ureinwohner durch das Land, um Holz für sein Feuer zu sammeln. Um das Holz zu transportieren hatte er sich einen Korb auf den Rücken gebunden und legte dort die Zweige und Aeste hinein. Als er durch eine Schlucht kam, durch die der Wind blies, hörte er einen seltsamen dumpfen Ton: Wrrrroooooooommm. Er war erschrocken und dachte ein Geist hätte sich in einen hohlen Ast verfangen. Um ihn zu befreien, blies er in den hohlen Ast. Dabei erklang dieser Ton wieder. Nun dachte er, der Geist spreche zu ihm und so spielte er weiter und weiter.


Die sieben Schwestern flohen von dem lüsteren Nyiru, der die älteste von ihnen vergewaltigten wollte. Östlich des Uluru ist ihr Weg durch eine Reihe von Tonmulden gekennzeichet. Eine Felswand in Witaula markierte die Stelle, wo sie die Nacht verbrachten.Am Morgen tauchten sie hinunter und kamen an der Quelle Tjuntalitja wieder heraus. Nyiru hatte sie
beobachtet hinter einem Sandhügel. Dann zogen die Mädchen weiter nach Wanukula und dann weiter zum Hügel Walinya wo sie erneut Rast machten. Dieser Platz markiert heute ein wilder Feigenbaum, dieser stellt die älteste Schwester dar. Nyiru beobachtete sie und als er glaubte sie schliefen, drang er in ihr Lager ein. Durch eine niedrige Öffnung auf der Rückseite der Höhle flüchteten die Schwestern. Schließlich erreichten sie die Küste, stürzten sich ins Meer, das Wasser jedoch war so kalt, dass sie zum Himmel emporstiegen, Nyiru verfolgte sie immer noch.


Die Geschichte von Tjati
(der roten Eidechse)

Tjati ist eine kleine, rote Eidechse, die auf der Mulga-Ebene wohnte. In der Schöpfungszeit wanderte er zum Uluru, vorbei am Berg Atila. Als Tjati seinen kali (einen gebogenen Wurfstock ähnlich einem Bumerang) warf, vergrub er sich in der nördlichen Seite des Uluru. Tjati grub mit seinen Händen in den Felsen, um seinen kali wiederzubekommen, und hinterließ in der Nähe von Walaritja eine
Reihe von schüsselförmigen Vertiefungen. Nachdem es ihm nicht möglich war, seine Waffe zu finden, starb Tjati schließlich in einer Höhle bei Kantju, wo man seine Habe und seine Überreste in Form von riesigen Kugeln am Boden der Höhle finden kann.


Das Erste Kängaru
Die ersten Kängarus wurden von einem gewaltigen Sturm auf das australische Festland geblasen. Diese Reise war so erschöpfend, daß sie nicht landen konnten, obwohl ihre Hinterbeine schon gewachsen waren in dem Versuch Fuß zu fassen. Es war zu dieser Zeit, daß eine Gruppe von Aborigines auf der Jagd waren, als dieser große Sturm über das Land fegte und Bäume, Gräser und Büsche entwurzelte. Als die Jäger nach oben schauten sahen sie unter den umherfliegenden Trümmer ein Kängaru, daß vom Sturm fortgetragen
wurde. Noch nie hatten sie ein solches Tier gesehen, mit einem kleinen Kopf, kurzen Armen, großen Körper und Schwanz; mit langen, kräftigen Beinen, die immer wieder versuchten den Boden zu berühren. Aber jedes mal wenn sie den Boden berührten wurden es erneut von einem Windstoß in die Luft geschleudert. Doch während einer kurzen Windstille bemerkten die Jäger ein Kängaru, welches sich im Geäst eines Baumes verfangen hatte, zu Boden gefallen war und davon hoppelte. Sie wußten, daß ein so großes Tier genug Nahrung für viele Menschen sein würde. Also zog der gesamte Stamm dorthin wo die Jäger das Tier gesehen hatten, denn es war gutes fruchtbares Land mit Wasser und Früchten in den Bäumen. Aber es dauerte noch lange, bis die Aborigines gelernt hatten das größte und schnellste aller australischen Tiere zu fangen.


Die Herkunft des Feuers
(von den Stämmen an der nordwest Küste Australiens)


Das Feuer kam vom Himmel, wo zwei Brüder Kanbi und Jitabidi, nahe dem Kreuz des Südens, am Himmel lebten. Zu diesem Zeitpunkt gab es sonst nirgends im Universum Feuer. Als aber Nahrung knapp wurde in der Himmelwelt gingen Kanbi und Jitabidi zur Erde hinab und brachten ihre Feuerstöcke mit. Sie errichteten ein Lager, legten ihre Feuerstöcke auf den Boden und gingen auf die Jagd nach Opposum. Die Beiden blieben sehr lange
weg und die Feuerstöcke fingen an sich zu langweilen. So fingen sie an miteinander zu spielen im Geäst eines Baumes und im Gras. Das hatte zur Folge, daß sie ein Buschfeuer entfachten. Als die beiden Brüder den Rauch sahen, gingen sie sofort zurück zu ihrem Lager, fingen die Feuerstöcke ein und brachten sie wieder an ihrem Platz in der Himmelwelt zurück. Es geschah, daß eine Gruppe von Aborigines dieses Buschfeuer gesehen und auch dessen Wärme gespürt hatten. Sie verstanden den Wert, welches dieses neue Element haben konnte sofort und nahmen einen brennenden Ast mit in ihr Lager. Seit jener Zeit haben jetzt alle Aborigines Feuer, was früher nur den Brüdern vom Kreuz das Südens gehört hat.



Die Woma und Kunia Schlangen-Menschen

Zwei Gruppen der Schlangen-Menschen, die Woma und die Kunia lebten einst in den zentralen Wüstenlandschaften. Jeden Tag gingen Sie jagen und kehrten abends zurück in ihr Lager wo sie die Tiere kochten, die sie tagsüber gefangen hatten. Mit der Zeit jedoch verließen die Kunia Schlangen-Männer den weichen Sand und warmen Sonnenschein der Wüste um in den Felsen des Gebirges zu jagen. Also entschieden sie eines abends am Lagerfeuer, nach einer langen Diskussion, daß die Schlangen-Menschen sich trennen sollten. Das neue Zuhause der Kunia soll dann die Felsen im nahegelegenen Gebirge sein. Eine große Familie der Kunia ließ sich zwischen den Felsbrocken nieder. Sie lebten an der östlichen und südlichen Seite vom heute als Ayers Rock bekannten Felsen wo sie in Frieden nach Nahrung suchten. Aber eines Tages kam eine Gruppe von giftigen Lira Schlangen-Menschen aus dem Westen und griffen die harmlosen Kunia an und töteten sie alle. Heute sind die Körper und die Lagerstätten der Kunia als eine Gruppe von großen Felsbrocken, am Fuße von Ayers Rock, zu sehen.

Die Numbakulla und die ersten Menschen
vom Stamm der Aranda, Zentral Australien (Alice Springs Gegend)


Der Mythos besagt wie in vergangenen spirituellen Zeiten, zwei große Wesen, die Numbakulla im westlichen Teil des Himmels lebten. Von dort sahen sie eine Anzahl von embryonaler Wesen, die Inapatua und es war ihre Pflicht daraus Männer und Frauen zu machen. Diese Inapatua kauerten unter Felsbrocken am Rande der Salzseen; die Umrisse der einzelnen Körperteile nur erahnbar erkenntlich waren. Sie konnte weder sehen, hören noch sich bewegen. Die Numbakulla kamen zur Erde herab mit ihren Steinmesser, nahmen die unfertigen Körper der Inapatua und fingen an aus ihnen Menschen zu machen. Mit ihren Messern machen sie zuerst die Arme und Beine und dann am Ende der Gliedmaßen machten sie vier Einschnitte; Finger und Zehen. Mit Ihren Messern öffneten die Numbakulla die Augen und Mund jedes einzelnen und mit ihren Fingern formten sie Nasen und Ohren. Allmählich vermehrten sich diese neugeformten Wesen und verteilten sich über das Land, sammelten Nahrung und gehorchten den komplexen Gesetzen des Stammes mit all ihren Verhaltensweisen und Sitten, welch nur den Männer und Frauen des Aranda Stammes zu eigen ist.




 
Der Ursprung der Sonne
Ein australisches Märchen


"In den alten Zeiten gab es keine Sonne. Nur der Mond und die Sterne standen gemeinsam am Himmel. Es gab auch keine Menschen, sondern nur einige Vögel und Säugetiere, die aber alle viel größer waren als die, die wir heute kennen.

Eines Tages unternahmen Dinevan, der Emu, und Bralgah, der Kranich, einen gemeinsamen Spaziergang. Sie gerieten jedoch in eine Meinungsverschiedenheit und fingen an, sich zu streiten. Bralgah verlor alle seine Selbstbeherrschung, lief zu Dinevans Nest, ergriff eines seiner Eier und schleuderte es vor Wut mit aller Kraft in den Himmel wo es gegen einen Stoß Feuerholz prallte und zerbrach. Das Eigelb lief über den Holzstoß und entzündete ihn, so daß die ganze Welt plötzlich von dem brennenden Scheiterhaufen erleuchtet wurde. Bis dahin hatte in der Welt nur Dämmerung geherrscht, und die Menschen auf der Erde wurden von dem mächtigen Glanz des Feuers geblendet.

Dem guten Geist, der im Himmel wohnt, gefiel die neue Beleuchtung, und ihm kam der Gedanke, daß es hübsch wäre, jeden Tag ein solches Feuer anzuzünden. So führte er denn die neue Sitte ein. Seitdem läßt er jede Nacht von seinen dienenden Geistern das Feuerholz zusammensuchen und einen gewaltigen Scheiterhaufen daraus bauen. Wenn der fertig ist, so sendet der gute Geist den Morgenstern aus, um das baldige Anzünden des Feuers anzukündigen.

Er bemerkte jedoch, daß das sichtbare Erscheinen des Morgensterns allein nicht genügt, um die Schläfer auf der Erde aufzuwecken, und er bemühte sich deshalb, einen passenden Laut zu finden, der das Lichtsignal begleiten sollte. Lange jedoch konnte er kein hierzu geeignetes Geräusch ausfindig machen. Eines Abends jedoch hörte er das Gelächter Gurgurgagas, des Hahnes. ,Dies ist der rechte Mann!' sagte er zu sich selbst und übertrug dem Vogel die Pflicht, jeden Morgen vernehmlich zu lachen, ehe das himmlische Feuer angezündet wird. Sollte der Hahn jedoch einmal sein Amt vernachlässigen, so würde der Holzstoß nicht angezündet werden.

Seitdem hat Gurgurgaga jeden Morgen pünktlich zur verabredeten Stunde sein Gelächter ertönen lassen, und er schließt sein Gelächter jedesmal mit dem dreimaligen Rufen seines Namens ab: ,Gurgurgaga! Gurgurgaga! Gurgurgaga!' Am frühen Morgen, wenn die dienstbaren Himmelsgeister den Holzstoß anzünden, ist es noch nicht sehr warm. Aber gegen Mittag, wenn der ganze Holzstoß glüht, wird es mächtig heiß. Am Nachmittag nimmt dann die Wärme wieder ab, bis am Abend nur noch ein roter Schein übrig ist, der schnell in der grauen Asche zerfällt. Während der Nacht werden nur ein paar Scheite glimmend gehalten, die sorgfältig in Wolken eingewickelt sind, damit am Morgen das neue Feuer schnell angezündet werden kann.

Gurgurgaga jedoch ist ein sehr empfindlicher Mann, der seine Pflicht mit großem Ernst versieht. Sollte jemals ein Mensch wagen, ihn zu verspotten, so würde er sofort sein morgendliches Gelächter einstellen, und es würde wieder dunkel auf der Erde."



Der Lachende Hans und das Sonnenfeuer


Es gab eine Zeit, da war das einzige Licht auf der Welt das des Mondes und der Sterne. Selbst wenn der Vollmond wie eine gigantische silberne Kugel am Himmel entlang zog, lauerten schwarze Schatten unter den Bäumen. Wenn der Mond eine schmale Sichel bildete, konnten die riesigen Tiere, welche vor der Menschheit lebten, ihren Weg nur ertasten. Und wenn die Wolken den Himmel verdunkelten, oder wenn kein Mond zu sehen war, war die Welt still und alles Leben schlief. Es war eine Schattenwelt, düster und mysteriös, wo die Vögel und anderen Tiere ständig gegeneinander kämpften.

In einer bewölkten und mondlosen Nacht kämpften Dinewan der Emu und Brolga der eingeborene Begleiter gegeneinander. Es gab keinen Grund für diesen Kampf, dennoch versuchten sie einander zu töten. Dinewan steckte kopfüber mit dem kleineren Vogelkopf im Sand und streckte seine Krallen empor. Brolga kämpfte sich auf die Füße und rannte zum Nest des Emu. Er nahm das größte Ei heraus und schleuderte es mit einem Ruck hoch in die Luft.

Nachdem es in einem Bogen den Himmel erreichte und herunter fiel, zerplatze es auf einem Haufen Feuerholz in viele Stücke. Das Eigelb zerfloss über dem Holz und ging in Flammen auf. Der Himmel leuchtete im Schein des Feuers und das erste mal, seit Entstehung der Erde, erstrahlte sie in Farbe. Wärme schlich über die kalten Täler, die Seen dampften leicht und all die Tiere wärmten sich an der neu entstandenen Hitze.

Die himmlischen Wesen waren entzückt von alle dem und beschlossen von nun an, jeden Tag dieses Feuer zu entzünden. Während der dunklen Stunden in der Nacht, bereiteten sie neues Brennholz für den Morgen. Zu ihrer Überraschung schliefen die Tiere aber häufig weiter, nachdem das Licht das Land überflutete.

"Es muss ihnen erzählt werden, damit sie bereit sind, sobald das Feuer entfacht wurde", entschieden sie sich und hingen als Zeichen einen hellen Morgenstern am Himmel auf, damit alle verstanden, dass das Feuer bald entzündet wird.

Aber die faulen Tiere schliefen weiter.

"Licht ist eindeutig nicht genug," sagten sie. "Wir brauchen etwas, das ein Geräusch macht um sie zu wecken," und während sie es aussprachen hörten sie eine fröhliche Stimme von den entfernten Bäumen: "Goor-gour-gaga!Goor-Gour-gaga!"

"Das ist Goor-gour-gaga," riefen sie aus. "Er kann tun, was wir möchten!"

Sie flogen herab und sahen ihn auf einem Ast sitzen, lachend und schnatternd. "Goor-gour-gaga!" sagten sie, "wir möchten, dass Du uns hilfst."

Lachender Hans schnatterte mit seinem Schnabel, setzte sich hin und lauschte. "Magst Du das große Feuer, welches wir jeden Morgen entfachen? Das Feuer, das Wärme und Licht spendet und welches wir Sonne nennen?"

"Das tue ich -- Goor-gour-gaga, Goor-gour-gaga," antwortete er. "Aber was hat das mit mir zu tun?" fragte er.
"Alles was Du tun sollst ist lachen, so wie Du es immer tust," sagten sie. "Wir möchten, dass Du die Tiere weckst, wenn der Abendstern verblasst. Das ist der Moment, wo wir das Feuer entzünden. Da ist dann zuerst nur eine kleine Flamme, kaum zu sehen, aber Du bist schließlich klug, Goor-gour-gaga."
Jackass plusterte sich auf und erklärte sich bereit. "Wenn Du lachst, weckst Du jeden auf und alle sind bereit für den neuen Tag und die Arbeit." "Und wenn ich es nicht machen will?" Sie sahen ihn traurig an. "Dann werden wir das Feuer nicht entzünden und die Welt wird weiterhin dunkel und kalt sein, so wie sie immer war. Es wird für Dich wie immer sein, genau wie für die anderen Vögel und Tiere, Goor-gour-gaga."

Der Vogel erschreckte sie mit einem ohrenbetäubenden Gelächter.

"So wie das?" fragte er. "Ja, ja, genau so, Goor-gour-gaga." "Natürlich werde ich es machen, denn ich höre meine Stimme genauso gern wie ihr." Sie versteckten ihr Schmunzeln und lobten ihn. "Aber erinnnere Dich, wenn Du im Morgengrauen nicht lachst, werden wir kein Feuer entzünden."

Jeder Morgen beging mit Goor-gour-gaga’s Gelächter. Das Feuer der Sonne wurde durch die himmlischen Wesen entfacht und wenn das Holz Feuer fing, wurde die Flamme größer. Um die Mittagszeit war das Feuer am heftigsten und am Nachmittag wurde es schwächer und wenn der Abend kam, blieb nur noch die Glut. Das Glühen war heftig und der rote Schein war oft nach Sonnenuntergang zu sehen. Einige der Glutstücke wurden durch die himmlischen Wesen gerettet, in flauschige Wolken gehüllt und zum Entfachen des Feuers am nächsten Morgen aufbewahrt. Das sind die Morgen, welche durch den Lachenden Jackass mit seinem rauen und übermütigen Schrein durch Goor-gour-gaga angekündigt werden.


übersetzt von Torsten Höpfner
aus dem Buch: ´ Aboriginal Fables and Legendary Tales ´ von A.W.Reed

 
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